Verein/Home Kretiken/Kommentare Keiner falschen Sicherheit trauen
|
|
Keiner falschen Sicherheit trauen |
|
|
Jiu-Jitsu - ist diese alte Kampfkunst der Samurai noch zeitgemäß? Der Wunsch, sich verteidigen zu können, ist zu allen Zeiten aktuell gewesen. Auch heute! Missbrauch von Kampfkünsten gab es auch immer wieder. Der Streit, welcher Kampfsport beziehungsweise welche Kampfkunst der/die bessere sei - ob Karate, Taekwondo oder Jiu-Jitsu und andere - ist auch nicht neu.
Mich stört immer wieder die Unehrlichkeit, mit der oft Selbstverteidigungskurse, Selbstbehauptungskurse oder nun auch ein sogenanntes "Sicherheitstraining" angeboten werden. Sicherheit ist für mich relativ. Auch vor Lügen kein ZurückschreckenWer aber einem acht oder zehn Jahre alten Mädchen in nur vier Trainingseinheiten erzählt/zeigt, dass sich ein potenzieller Sexualstraftäter mit Fußtritten gegen das Schienbein abwehren lässt, der lügt! Ein Kind, das aus einem Autofenster heraus gepackt wurde, soll mit einem Griff einem erwachsenen Mann den Arm brechen können? Was für Kung-Fu-Filme haben die "Ausbilder" gesehen, die so etwas sagen? Ich hatte in Spezialeinheiten zu tun und war Weltmeister im Allround-kumite. Ich unterrichte Schüler, welche im Kickboxen, Kumite und Ju-Jutsu in der Weltspitze erfolgreich sind, aber solche Supergriffe kenne ich nicht. Selbstverteidigung entsteht im Kopf! Umstände schnell und sicher erkennen können, um einen Kampf, eine Vergewaltigung oder einen Überfall aus dem Weg gehen zu können, ist eine Grundlage, um einen Kampf gewinnen zu können, ohne zu kämpfen. Wer einem Kind glaubhaft macht, es könnte sich mit Karate-Tritten oder einem Griff gegen einen Verbrecher wehren, ist nicht besser als der Angreifer selbst. Er suggeriert Sicherheit und lässt auch die Eltern dieser Kinder in einer trügerischen Sicherheitswolke schweben, welche es so nicht gibt. Die Idee ist ja nicht schlecht und Hut ab, wer sich an dieses Thema heran traut! Den Bezug zur Realität dabei nicht zu verlieren, ist sicher nicht leicht. Leichter ist es, mit Sicherheit und künstlich geschürter Angst anderer Geld zu verdienen, anstatt ein gutes Trainingsprogramm anzubieten. Erschreckend fand ich, dass Kinder aus solch einem Kurs tatsächlich von sich glaubten, derartige Fähigkeiten zu besitzen. Ein Test brachte ungläubige Ernüchterung. Die Frage ist: Warum schicken Eltern Kinder in solch einen schlechten Kurs? Aber wer soll die Spreu vom Weizen trennen können und wie? Es gibt auch schlechte und gute Jiu-Jitsu- Vereine. Leider ist das auch für Nichtskönner ein lukratives Geschäft geworden. Ist man denen wirklich hilflos ausgeliefert? |
|